380 Zuschauer wollten die Punktspielpremiere des FSV 63 Luckenwalde im neuen Werner-Seelenbinder-Stadion miterleben und bis auf die zahlreichen Anhänger des Liganeulings aus Lübben dürften sie ihr Kommen auch nicht bereut haben. Wenn man von der Papierform zwar einen Sieg der Luckenwalder erwarten durfte, wusste man vor dem Spiel doch recht wenig über die wahre Stärke der grün-weißen Mannschaft aus Lübben. Auf Grund des torlosen Remis gegen Geheimfavorit Laubsdorf vor einer Woche konnte man aber schon ahnen, dass der Aufsteiger nicht unterschätzt werden darf.
Die Gäste machten in der ersten halben Stunde dann durchaus einen kompakten Eindruck, hatten vielleicht sogar leichte Feldvorteile. Die besseren Chancen hatte aber von Beginn an der FSV über seine beiden schnellen Spitzen. Die Lübbener bekamen Fabian Zottmann und Tilo Lindner zu keinem Zeitpunkt richtig in den Griff. In der 13. Minute setzte sich der spielfreudige Neuzugang aus Berlin auf dem linken Flügel erstmals bis in Tornähe durch. Sein Versuch, auf Sturmpartner Lindner zu passen, war dann aber doch zu uneigennützig. Die Gästeabwehr konnte gerade noch klären.
Aber auch die Lübbener hatten ihre Möglichkeiten. Als sich Steffen Grunert bei einem Flügelwechsel verschätzte, kam Lübbens agiler Gordon Pohle zum Abschluss, verfehlte aber das Klettke-Tor knapp (15.). Phasenweise deckten die Gäste sogar die eine oder andere Schwäche in der Luckenwalder Abwehr auf, die ja auch schon vor Wochenfrist in Brandenburg deutlich wurde. Aber letztlich konnte die FSV-Defensivabteilung um Abwehrchef Marko Hörster die meisten Gefahrensituationen meistern. Und wenn doch einmal ein Ball gefährlich auf oder vor das FSV-Tor kam, wurde er eine sichere Beute von Torhüter Andreas Klettke.
Als die Gäste in der 30. Minute auch wieder einmal weit aufgerückt waren und den Ball im Vorwärtsgang verloren, erkannte Jens Neumann die Situation und spielte steil auf Tilo Lindner. Der hatte mit seiner gewohnten Antrittsschnelligkeit keine Mühe, seinen Kontrahenten zu entwischen und schließlich aus gut zwanzig Metern vor dem aus seinem Kasten eilenden Grün-Weiß-Keeper Christian Harmuth an den Ball zu kommen und einzuschieben – 1:0. Noch hatten sich die Lübbener nicht aufgegeben und hätten in der 43. Minute mit einem satten Zwanzig-Meter-Schuss, der knapp am Klettke-Tor vorbei strich, fast sogar den Ausgleich erzielen können. Wenig später sorgte Fabian Zottmann mit seinem Treffer zum 2:0 unmittelbar vor dem Seitenwechsel dann für eine kleine Vorentscheidung. Auch er hatte sich im Laufduell durchgesetzt, Keeper Harmuth umkurvt und sicher zum 2:0 eingeschoben.
Nachdem Zottmann gleich nach dem Seitenwechsel in der 47. Minute mit seinem Treffer zum 3:0 nochmal nachlegte, zweifelte wohl niemand mehr am ersten Saisonsieg der Luckenwalder. Jetzt konnten die Morack-Schützlinge auch mit viel größerer Souveränität und Selbstsicherheit auftreten. Man konnte sich getrost zurückfallen lassen, um dann immer wieder über die beiden schnellen Spitzen zu weiteren Kontern anzusetzen. Die Grün-Weißen wussten mit dieser Situation nichts anzufangen. Sie wirkten zwar optisch überlegen, kamen aber kaum zu wirklichen Torchancen. Lediglich einmal musste Torhüter Klettke auf der Hut sein, als die Gäste in der 65. Minute aus der Distanz abzogen und der Lange nur mit Mühe den Ball über die Latte lenken konnte.
In der 72. Minute schlugen dann wieder die beiden Luckenwalder Torschützen vom Dienst zu. Fabian Zottmann spielte den Ball steil in den Raum, wo Tilo Lindner im rechten Moment gestartet war und so erneut allein auf Keeper Harmuth zulaufen konnte. Der hätte beim Versuch ihn zu umkurven, dem FSV-Stürmer beinahe noch den Ball vom Fuß geangelt. Doch Lindner kam erneut an das Leder und brauchte nur noch einzuschieben – 4:0.
Der kurz zuvor eingewechselte Sebastian Krenz hätte mit einem Zwanzig-Meter-Schuss mit seinem schwachen rechten Bein, der an die Latte klatschte, fast gleich noch einen draufgesetzt. So bekamen aber die Gäste von dem oft etwas kleinlich wirkenden Schiedsrichter Thomas Förster eine Chance für den Ehrentreffer zugesprochen. Beim Strafstoßpfiff Försters nach einem harmlosen Zweikampf im FSV-Strafraum konnten doch viele Beobachter im Stadion nur mit dem Kopf schütteln. In Anbetracht der deutlichen FSV-Führung hielten sich die Diskussionen dann aber in Grenzen. Jörg Handrick ließ sich die Chance nicht entgehen und vollendete sicher zum 4:1 (77.).
Den alten Abstand stellte dann Tilo Lindner mit seinem dritten Treffer in diesem Spiel wieder her. Er wurde mit einem tollen Diagonalpass von Kapitän Gordon Entrich mustergültig freigespielt und brauchte auf halbrechts freistehend mittels Flachschuss nur noch Torhüter Harmuth überwinden – 5:1.
Die Luckenwalder haben mit vier Punkten und 6:2-Toren nach zwei Spielen einen tollen Saisonstart hingelegt, mussten in den bisherigen 180 Minuten aber auch noch nie einen Rückstand wettmachen. Wo die FSV-Mannschaft wirklich steht, wird sich am kommenden Samstag beim Spitzenspiel Erster gegen Zweiter zeigen. Die ebenfalls fast unbekannten Prignitzer Kuckuck Kickers sind nach den beiden 3:2-Siegen gegen Altlüdersdorf und in Laubsdorf in der Brandenburgliga die Mannschaft der Stunde.
Für den FSV 63 Luckenwalde spielten: A. Klettke, M. Hörster, M. Braune, G. Entrich, M. Lorenz, A. Toth (ab 70. S. Krenz), D. Seidel (V, ab 49. S. Gericke, V), J. Neumann (V), St. Grunert (V), F. Zottmann, T. Lindner (ab 86. A. Lorenz)
Frank Nessler
